TERRE DES FEMMES Städtegruppe Leipzig


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Buchmesse Leipzig 2013: „Die Zeit des Schweigens ist vorbei“

Vom 14.-17. März finden die diesjährige Leipziger Buchmesse und die damit verbundenen Veranstaltungen der Reihe „Leipzig liest“ statt. Besonders ans Herz gelegt sei die Buchvorstellung der Leipzigerin Mandy Kopp. Die Veröffentlichung von „Die Zeit des Schweigens ist vorbei“ ist für die Autorin zum einen der Versuch der Bewältigung ihrer Vergangenheit, zum anderen die klare, mutige Ansage an Behörden und Justiz – den Sachsensumpf: Hier geht es um die Anerkennung der Würde und Gerechtigkeit einer Frau!

Mandy Kopp wurde 1993 als 16-Jährige zur Prostitution im damaligen Leipziger Kinderbordell „Jasmin“ gezwungen. In einer ZeugInnenvernehmung im Jahr 2008 gaben Mandy Kopp und eine weitere Zeugin namens Trixi an, den ehemaligen Vizepräsidenten des Leipziger Landgerichts sowie den aktuellen Präsidenten des Landgerichts Chemnitz als Freier im Leipziger Kinderbordell auf Fotos wiedererkannt zu haben. Die beiden hochrangigen Juristen bestreiten dies bis heute. In früheren Vernehmungen durch die Polizei wurden die Mädchen des Bordells jedoch nie zu den Freiern befragt, auch nicht vor Gericht. Zudem wurden damals keine PsychologInnen hinzugezogen. Stattdessen war in der Anklage stets von „Prostituierten“ die Rede – als ob es sich nicht um Minderjährige handelte würde, die zum Sex gezwungen wurden. Zu allem Übel stehen Mandy Kopp und Trixi seit dem 6. März 2013 wegen Verleumdung vor Gericht. So werden aus Opfern Täterinnen gemacht! Ihr damaliger Zuhälter, der wegen Menschenhandel in Tateinheit mit Zuhälterei, Förderung der Prostitution und sexuellem Missbrauch von Kindern verurteilt wurde, ist bereits seit 1998 nach nur vier Jahren und zwei Monaten Haft wieder auf freiem Fuß.

Vor dem Hintergrund dieses Sumpfes aus fragwürdigen Gerichtsurteilen und Verstrickungen Staatsbediensteter in sexuelle Handlungen mit Kindern, ist es ein unglaublich mutiger Schritt von Mandy Kopp, ihr Buch zu veröffentlichen. Nicht zuletzt aus Respekt dieser Kämpferin gegenüber sollte man sich die folgenden Termine merken.

Was? Gespräch zu „Die Zeit des Schweigens ist vorbei“
Wann? 16. März 2013, 16:30 – 17:00 Uhr
Wo? LVZ-Autorenarena Halle 5, Stand A100
Infos? http://www.leipziger-buchmesse.de
und
Was? Lesung und Gespräch
Wann? 16. März 2013, 18:00
Wo? Tagungslounge Katharinenstr. 6
Infos? http://www.atelier-mandy-kopp.de

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„WE WANT SEX“ am Internationalen Frauentag

Am 8. März ist Internationaler Frauentag – ein toller Anlass, sich von den couragierten Frauen vergangener Aufstände inspirieren zu lassen. Aus diesem Grund möchten Ihnen das Interkulturelle Konversationscafé und die Terre des Femmes-Städtegruppe Leipzig den Film „We want Sex“ präsentieren. Denn: Der Geschlechterkampf an sich ist zwar nicht vergnüglich, aber es ist ein Vergnügen, auf das bereits Erreichte zu blicken.

Kurzinhalt:

Wenn Rita (Sally Hawkins) und ihre Kolleginnen im britischen Ford-Werk Dagenham häufig nur in Unterwäsche bekleidet arbeiten, hat das selbst Ende der 60er wenig mit der anrollenden Sexwelle zu tun, sondern vielmehr mit der unerträglich heißen und stickigen Luft in der Fabrikhalle. Bald platzt den Arbeiterinnen endgültig der Kragen. Angeführt von der beherzten Rita treten die Frauen in Streik: bessere Arbeitsbedingungen und „equal pay“ – gleicher Lohn für gleiche Arbeit – so ihre simplen, aber prägnanten Forderungen. Doch von der Konzernleitung und bald auch ihren Ehemännern schlägt den Frauen heftiger Widerstand entgegen. Da trifft von unerwarteter Seite Schützenhilfe ein: Kerle, zieht euch warm an, London, wir kommen!

Nach seinem Kinohit KALENDER GIRLS setzt Nigel Cole wieder auf typisch britischen Humor und jede Menge Charme: Golden-Globe-Gewinnerin Sally Hawkins führt in der Rolle der couragierten Rita eine illustre Darstellerinnenriege an, die so unwiderstehlich agiert, dass die Leinwand förmlich vibriert und die wahre Geschichte der Arbeiterinnen von Dagenham in ihrer historischen Bedeutung beeindruckend in Szene gesetzt wird. (http://www.tobis.de/film/we-want-sex)

WE WANT SEX EQUALITY! JEDER TAG IST FRAUENTAG!

Was? Filmvorführung „We want Sex“, GB, 2011

Wann? Freitag, 8. März 2013, 18 Uhr

Wer? Interkulturelles Konversationscafé, TDF-Städtegruppe Leipzig

Wo? Interkulturelles Konversationscafé, Emilienstraße 17, 04107 Leipzig Tram 10/11 (Haltestelle Hohe Straße) oder Tram 2/9/16 (Haltestelle Bayrischer Bahnhof)

Infos? http://www.konversationscafe.de


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Weltweiter Tanz gegen Gewalt an Frauen: One Billion Rising

Eine von drei Frauen auf diesem Planeten wird im Laufe ihres Lebens geschlagen oder vergewaltigt. Das sind eine Milliarde Frauen, denen Gewalt angetan wird.

Am 14. Februar 2013 lädt der V-Day eine Milliarde Menschen weltweit dazu ein, auf die Straße gehen, zu tanzen und sich zu erheben, um das Ende dieser Gewalt zu fordern. Damit setzen wir ein Zeichen der kollektiven Stärke und der globalen Solidarität. Auch Du kannst an diesem Tag tanzen oder einfach dabei sein. Der 14. Februar könnte eine Revolution werden!

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Auf allen Kontinenten finden am 14. Februar Aktionen statt, organisiert von kleinen und großen Frauengruppen. Der Aufruf wird unterstützt von bekannten Frauen wie der Rapperin Sookee oder der Schauspielerin Jane Fonda. In der BRD gibt es (Flash Mob-)Veranstaltungen in Kiel, Magdeburg, Braunschweig, München – um nur einige wenige Städte zu nennen – und auch auf dem Leipziger Marktplatz.

Der hiesige halbstündige Tanz wird organisiert von Frauen für Frauen e.V., Frauenkultur e.V., Lebenszeiten e.V., dem Referat für Gleichstellung der Stadt Leipzig und Timbre.

Zwei kostenfreie Tanz-Übungsstunden werden am 8.2. um 19.30 Uhr sowie am 9.2. um 11.30 Uhr von Nia&more angeboten. Um vorherige telefonische Anmeldung unter 0341/ 993 94 54 wird gebeten.

STRIKE! – DANCE! – RISE!
Let us dance to end the violence. Let us shake the earth into awareness

Wann? Donnerstag, 14.Februar 2013, 17 – 17.30 Uhr

Wo? Leipzig, Marktplatz

Infos? http://www.onebillionrising.de

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Veranstaltung: 6. Februar 2013 – Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung

Anlässlich des Internationalen Tages Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung lädt die Terre des Femmes-Städtegruppe Leipzig zu Film und Gespräch.

Flyer

Die junge Maïmouna kämpft gegen eine uralte Tradition: Die Beschneidung junger Mädchen. Seit 1996 ist die Beschneidung von Frauen in Burkina Faso verboten, doch sie wird immer noch häufig praktiziert. Der Film begleitet Maïmouna bei ihrer Tätigkeit für die afrikanische Organisation Bangr Nooma von Hof zu Hof, um den Bewohner_Innen von den Folgen der Beschneidung zu erzählen. Dabei stößt sie immer wieder auf Aberglaube, gesellschaftliche Machtstrukturen, Ängste, Widersprüche und – ihre eigenen Wunden.

Der Film geht der Frage nach, warum es noch immer Beschneidung gibt, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben. Im Gegenteil: Durch die differenzierte Betrachtung wird deutlich, dass es die eine Antwort nicht gibt, sondern verschiedene Wahrheiten. Dabei stehen Maïmouna und ihr Leben im Vordergrund, ihre Stärke und ihre Offenheit machen den Film zu einem lebendigen und hoffnungsvollen Dokument gegen Beschneidung von Frauen und für ein selbst bestimmtes Leben.

Maïmouna – la vie devant moi / Maïmouna – das Leben vor mir
Ton: Französisch / Mooré mit deutschem Untertitel
Idee, Buch, Kamera: Ulrike Sülzle, † 2008

Wann? Mittwoch, 6. Februar 2013, 19 Uhr

Wo? D21 Kunstraum, Demmeringstraße 21, Lindenau

Wer? Terre des Femmes e.V. – Menschenrechte für die Frau – Städtegruppe Leipzig

Info? http://www.d21-leipzig.de, http://www.tdfleipzig.wordpress.com, http://www.maimouna-derfilm.de

EINTRITT FREI

Mit freundlicher Unterstützung von FilmGalerie WestEndund Function-One L.E.


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Filmempfehlung: „Festung“

Am 27.11.2012 zeigten die Passage Kinos Leipzig auf Wunsch der TERRE DES FEMMES Städtegruppe Leipzig eine Preview des Films Festung, das unter die Haut gehende Spielfilmdebüt der finnischen Regisseurin Kirsi Marie Liimataien. Auf sensible und zugleich deutliche Art behandelt der Film das Thema Häusliche Gewalt; ein Tabu-Thema, obwohl jede vierte Frau in der BRD* bereits Formen der häuslichen Gewalt erlebt hat.

Der Film zeigt die Folgen der unkontrollierten physischen wie psychischen Gewalttätigkeit des Familienvaters und Ehemanns Robert (Peter Lohmeyer) gegenüber seiner Familie. Festung_Schwestern_Kordes&Kordes Film_Sven MeyerNach einem Therapieaufenthalt ist er bei seiner Frau Erika und den beiden noch zu Hause lebenden Kindern wieder eingezogen. Entgegen aller Hoffnung hat sich doch nichts zum Besseren gewendet. Wieder leben Mutter und Töchter in Angst und verschließen sich in der Festung, hinter dem Rollladen, im abgedunkelten Schlafzimmer. Niemand darf davon erfahren, dass der gewalttätige Vater seine Frau – beängstigend macht- und wehrlos gespielt von Ursina Lardi – blutig schlägt. Auch die 13-jährige Johanna (herzergreifend ehrlich von der Jungschauspielerin Elisa Essig verkörpert) muss sich an das Gebot „Nichts dringt nach außen!“ halten, die Gewalt an ihrer Mutter ertragen, ohne sie schützen zu können und zugleich den psychischen Schaden, der ihrer kleinen Schwester droht, zu minimieren versuchen. Als sich Johanna dann auch noch in den 15-jährigen Christian verliebt, verkompliziert sich ihre Situation einmal mehr. Hin- und hergerissen zwischen der Loyalität ihrer Familie gegenüber und den ersten Schmetterlingen im Bauch sowie dem damit einhergehenden Wunsch nach Selbstverwirklichung, versucht Johanna die Situation zu meistern. Doch die Festung ist stark…

Der Film schafft die bedrohliche Atmosphäre nicht durch Faustschläge, sondern vor allem durch Geräusche, die aus dem Schlafzimmer dringen, wenn Robert die Mutter schlägt; durch Angst in den Blicken der Geschwister, Sprachlosigkeit der Familienmitglieder. Festung_Eltern_Kordes&Kordes Film_Christine A. MaierIn erster Linie aus der Sicht Johannas wiedergegeben, konfrontiert die Handlung das Publikum mit der Machtlosigkeit und Überforderung der Figuren. Doch trotz aller Trostlosigkeit, die „Festung“ an einigen Stellen vermittelt, gibt es einen Hoffnungsschimmer in der mächtigen Bewegungslosigkeit aus Angst und Abhängigkeiten: Auch die Liebe zwischen Johanna und Christian ist stark…

Dem Film ist unbedingt noch mehr Aufmerksamkeit zu wünschen, als er bisher bereits bekam! Zwar wurde die Drehbuchautorin Nicole Armbruster im Rahmen der 60.Filmfestspiele in Berlin 2010 mit dem Thomas Strittmatter Drehbuchpreis ausgezeichnet, doch ist zu hoffen, dass er ein noch wesentlich breiteres Publikum findet.

Derzeit liegen uns leider keine aktuellen Spielzeiten vor.

Weitere Informationen erhalten Sie unter folgenden Adressen:

Verleih:
farbfilm verleih GmbH
Boxhagener Str. 106
10245 Berlin
Tel.: 030/ 29 77 29-0
http://www.farbfilm-verleih.de

Produktion:
Kordes & Kordes Film GmbH
Feurigstr. 54
10827 Berlin
Tel.: 030/ 780 96 780
http://www.kordesfilm.de

Presse:
Entertainment Kombinat
Jasmin Knich
Boxhagener Str. 106
10245 Berlin
Tel.: 030/ 29 77 29-20
http://www.entertainmentkombinat.de

* Laut einer 2002 von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen repräsentativen Studie

Bildmaterial © Kordes & Kordes Film Christine A. Maier + Kordes & Kordes Film Sven Meyer


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Buchrezension „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“

Heinz-Jürgen Voß: „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“
Pink auf Schwarz: Anschluss an Judith Butlers Zweifel
Buchcover_Geschlecht

Ebenso wie der im Jahr 2011 erschienene Titel Making Sex Revisited: Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive, wird auch der Nachfolger Geschlecht: Wider die Natürlichkeit von Heinz-Jürgen Voß – glücklicherweise – von sich Reden machen. Anlass dazu bietet der weit gespannte und an keiner Stelle überspannte Bogen von alten und neuen Diskussionen zum Konstrukt Geschlecht. So haben Theorien nach Beauvoir (historisch) und Butler (aktuell) ebenso ihren Platz in dem circa 200 Seiten umfassenden Sachbuch, wie historische und aktuelle biologische Geschlechtermodelle und letztendlich sich an Marx orientierende, gesellschaftskritische Forderungen.

Der Biologe Voß geht in seinen Texten, ebenso wie Karl Marx und Simone de Beauvoir, stets von der Situation der gesellschaftlich nicht Privilegierten aus, was seine Perspektive von vielen bisher publizierten wissenschaftlichen Texten und Forschungen unterscheidet. Voß stellt somit die Bedürfnisse derjenigen Menschen in den Mittelpunkt, die bisher kaum Thema wissenschaftlicher Auseinandersetzungen waren. In keiner Weise wird dabei die Existenz von Geschlechtern geleugnet; zumindest in unseren Köpfen sind sie zweifellos real. Hierbei wird häufig und passend Beauvoir zitiert: „Selbstverständlich kann keine Frau, ohne unaufrichtig zu sein, behaupten, sie stünde jenseits ihres Geschlechts… Wenn wir es auch ablehnen, sie (die Frau) mit dem ewig Weiblichen zu erklären, aber gelten lassen, dass es, zumindest vorläufig, Frauen auf der Erde gibt, müssen wir uns wohl die Frage stellen: was ist eine Frau?“ („Das andere Geschlecht“ 1949)

Voß selbst bringt den Sachverhalt mit folgenden Worten auf den Punkt: „Nur weil real ‚Frauen‘ und ‚Männer‘ und Unterschiede zwischen ihnen festgestellt wurden, heißt das nicht, dass sie vorgegeben sind und dass man in Gedanken des ‚Ewigweiblichen‘ oder ‚Ewigmännlichen‘ verfallen müsste.“ Zudem wird mehrfach angeführt, wie auch das biologische Geschlecht (’sex‘) keiner Natürlichkeit unterlegen sei; ein Punkt, an dem wir bereits mit Judith Butler waren. In diesem Kontext gibt Voß Einblick in aktuelle Erkenntnisse der Biologie, die die Existenz vieler Geschlechter demonstriert. Noch immer aber werden Penis und Vagina, Hoden und Eierstöcke, Samenzellen und Eizellen als die wichtigsten Merkmale angesehen, da sie den Fortbestand des Menschen sichern. Diese Merkmale werden regelmäßig in Diskussionen als Argument für die natürliche Gegebenheit von Zweigeschlechtlichkeit herangezogen – und lassen all jene außen vor, denen die biologische Voraussetzung zur Fortpflanzung fehlt. Voß betont an dieser Stelle vehement, dass es auf keinem Gebiet eine Natürlichkeit geben könne, da nichts, was uns umgibt oder was wir wahrnehmen, außerhalb der Gesellschaft entstehe. Die Unterscheidung nach dem Geschlecht erscheine uns so natürlich, weil wir mit genau dieser Unterscheidung aufgewachsen sind. Auch die entsprechende Forschung unterteile von vornherein in ‚Frau‘ und ‚Mann‘ und stelle auf diesem Weg Differenzen von jenen beiden Gruppen fest. Zutreffend sei aber, so Voß, dass es bislang kein auch nur einigermaßen stimmiges und fundiertes Modell der Geschlechtsdetermination und -differenzierung gäbe.

Auf den Punkt gebracht bedeutet dies, dass wir vom allerersten Atemzug an von der Einteilung nach dem Geschlecht geprägt sind; ein Schleier der vermeintlichen Natürlichkeit breitet sich über diesem Konstrukt aus. Wobei wir wieder bei Marx angekommen sind, der unter anderem im Kapital festhält, dass der Mensch gesellschaftlich sehe, höre, rieche, schmecke, fühle, denke, anschaue und tätig sei, wodurch letztendlich klar wird, dass es eben keine mächtige Instanz gibt – Gott schon lange nicht mehr und ebensowenig die Biologie – die uns an der freien Entfaltung hindern könnte. Es existieren keine natürlichen, unabänderlichen Gründe, die noch länger herangezogen werden könnten, um Menschen in ihren Möglichkeiten zu beschränken. Klingt am Ende doch nur nach einer Prise Romantik? Mehr noch – Voß fordert zum Schluss sich selbst und alle anderen auf, an die Utopie einer gerechten Gesellschaft zu glauben und dafür in diesem Moment tätig zu werden. Das tut nach einem Exkurs durch die entwicklungsreichen Jahrhunderte der Gesellschaftskritik, Biologie und Genetik gut. Es rüttelt wach und motiviert zum Überdenken der persönlichen Einstellung. Mensch kann ja zur Sicherheit das schwarz-pinke Büchlein in die Hosentasche stecken, um für Diskussionen aller Art („Aber Frauen haben doch nun mal nicht so viele Muskeln wie Männer!“, „Aber es sind schon immer Männer jagen gegangen und Frauen haben Kinder bekommen“, „Aber es gibt nun mal bestimmte Gene, die für die Ausbildung eines bestimmten Geschlechtes zuständig sind.“…) mit Argumenten und weitreichender Sicht ausgerüstet zu sein. Voß gelingt mit seinen tiefgreifenden und zugleich anschaulichen Ausführungen mehreres: Er stellt den Terminus der ‚Natürlichkeit‘ in Frage und schafft Klarheit sowie Optimismus gegenüber der Hoffnung, dass wir etwas verändern können.

– Lilith

Heinz-Jürgen Voß: „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“
1. Auflage 2011, 180 Seiten, 10 €.
ISBN 3896576631
http://www.schmetterling-verlag.de


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6. Februar 2013: 10 Jahre internationaler Tag „Null Toleranz gegen Genitalverstümmelung“

Weltweit sind 130 Millionen Mädchen und Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Zum 6. Februar, dem internationalen Tag Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung setzt TERRE DES FEMMES bundesweit Zeichen gegen diese schwere Menschenrechtsverletzung an Mädchen und Frauen.

Wie schon in den letzten Jahren organisieren TERRE DES FEMMES Städtegruppen – so auch wir in Leipzig – zusammen mit Buchhandlungen Büchertische und gestalteten Schaufenster zum Thema weibliche Genitalverstümmelung. Dieses Mal wurden auch Bundestagsabgeordnete dazu aufgerufen, sich an der Aktion zu beteiligen.

Werden auch Sie aktiv! Tragen Sie zur Aufklärung bei und unterstützen Sie unsere Arbeit gegen weibliche Genitalverstümmelung!

Die TERRE DES FEMMES-Aktion: Büchertische zum Thema weibliche Genitalverstümmelung

Im Februar 2003 organisierte das Inter-African Committee (IAC) in Addis Abeba eine internationale Konferenz unter dem Motto Null-Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung. Ziel war es, die bereits begonnenen Kampagnen gegen weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, kurz FGM) weiter voran zu bringen und zu beschleunigen. First Ladies aus vier afrikanischen Ländern, Minister, RepräsentantInnen der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union waren anwesend. Darüber hinaus nahmen viele Menschen aus 40 Nationen, die sich an der Basis gegen FGM engagieren, an der Konferenz teil. Seit dieser Konferenz ist der 6. Februar der Internationale Tag Null-Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung, an dem weltweit Aktionen stattfinden, auch in Deutschland.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie „Ihre“ Buchhandlung oder Bücherei fragen, ob diese rund um den 6. Februar einen Tisch oder ein Schaufenster mit Büchern zum Thema gestaltet. Als Anregung haben wir eine Liste mit verschiedenen Büchern zum Thema Genitalverstümmelung zusammengestellt.

Gerne schicken wir Ihnen Flyer und Informationsmaterialien zum Auslegen zu. Diese können Sie im Shop bestellen.

Wenn Sie eine Lesung aus Büchern betroffener Frauen organisieren möchten, beraten wir Sie gerne.

Machen Sie Fotos von den Büchertischen und schicken Sie uns diese für unsere Webpage zu. Das beste Bild wird mit einer TERRE DES FEMMES-Publikation prämiert.

Weitere Informationen zum 6. Februar und Unterstützungsmöglichkeiten:

Hintergrundinformationen zu weiblicher Genitalverstümmelung

Informationen zum 6. Februar: Internationaler Tag Null-Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung (2003-2013)

Weitere Unterstützungsmöglichkeiten gegen Genitalverstümmelung