TERRE DES FEMMES Städtegruppe Leipzig


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Veranstaltung: EFA – eine Mädchenberufsschule in den Bergen Nordkameruns

TERRE DES FEMMES lädt ein zu einem Vortrag (mit Bildern) von Prof. Dr. Godula Kosack, Ethnologin und seit 1981 im Mafa-Land tätig

VHS-FlyerS01

Hoch in den Bergen des Mandara-Gebirges leben Frauen, die auf terrassierten Feldern mit der Hacke Hirse anbauen, die die Körner mit dem Handreibstein mahlen, die die Mahlzeit auf einem Hirsestängelfeuer zwischen drei Steinen kochen, deren Krankenbett eine Holzplanke ist, deren Mann eine oder mehrere weitere Frauen heiratet, wenn es ihm beliebt, und denen nichts gehört, wenn sie den Mann verlassen (müssen). Ihren Töchtern wünschen viele Mütter ein einfacheres Los.

TERRE DES FEMMES e.V. – Menschenrechte für die Frau unterstützt eine Mädchenschule École Familiale Agriculture, in der Mädchen ohne Schulabschluss zu ländlichen Kleinunternehmerinnen ausgebildet werden. Das Schulgebäude steht, aber es fehlen noch das Inventar und die Ausstattung.

 

Wann? Donnerstag, 10. April 2014, 18:00 Uhr

Wo? Volkshochschule Leipzig, Löhrstraße 3-7, Zimmer 131

Wer? Terre des Femmes e.V. – Menschenrechte für die Frau – Städtegruppe Leipzig

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„Wollte Gott, ich wäre eine Frau!“

Dramatisches Sommertheater: „Yerma“

Die Kulturwerkstatt KAOS (Kunst, Aktion, Objekt, Spiel) in Lindenau bietet auch dieses Jahr ein Sommertheaterstück auf der wohl kleinsten und schönsten Seebühne Leipzigs. Mit dem Stück des spanischen Autors Federico García Lorca (ein homosexueller Dichter und Autor, 1936 durch eine Falange-Milizgruppe ermordet) erwartet das Publikum kein – wie sonst oft üblich im Theatersommer – romantischer Klamauk. „Yerma“ ist ein Drama, das u.a. den Fragen nachgeht: Ab wann ist die Frau eine Frau? Braucht es für das Frauwerden oder -sein ein Kind? Was macht Kinderlosigkeit mit einer Frau in einer Gesellschaft, die die Frau einzig in der Rolle als Versorgerin sehen will? Welche Rolle spielt hierbei der Mann? „Yerma“ ist aber auch ein Stück über die Sehnsucht nach erfüllender Erotik und Sexualität. Lorcas poetische Sprache verschlüsselt die Wünsche und Begierden der Frauen – und macht auf diese Weise eine Klarheit möglich, die jeder Frau zu wünschen ist.

Das Stück entstand 1934, Schauplatz ist das ländliche Andalusien. Die Inszenierung ist text- und handlungstreu. Vielleicht ist aber doch noch nicht alles Schnee von gestern…?

 

Inhalt:

YermaYerma findet in ihrer Ehe mit dem reichen Bauern Juan keine Erfüllung. Ihr Mann arbeitet Tag und Nacht auf dem Feld und hat kein Verständnis für Yermas Sehnsucht nach einem Kind. Dafür wacht er eifersüchtig über die Tugend seiner Frau. Yerma fühlt sich zu dem Hirten Viktor hingezogen, verdrängt aber ihre Gefühle. Um einen Fehltritt zu verhindern, holt Juan seine beiden schweigsamen, unverheirateten Schwestern als Aufpasserinnen ins Haus. In ihrer Verzweiflung über ihre Kinderlosigkeit sucht Yerma Rat bei einer Geisterbeschwörerin, was ihr aber nur den Zorn ihres gekränkten Mannes einbringt. Schließlich unternimmt sie eine Wallfahrt zur heiligen Quelle der Fruchtbarkeit, die Schauplatz eines orgiastischen Treibens ist…

 

Was? Sommertheater. „Yerma“

Wann? Premiere am Sa, 22.Juni; Sa+So, 29.+30. Juni; Fr+Sa, 5.+6. Juli, jeweils 20:30 Uhr

Wo? Kulturwerkstatt Kaos, Wasserstraße 18

Eintritt: 10€, ermäßigt 6€

Infos/Kartenvorbestellungen: 0341/48 038 41, tanz-theater-musik(at)kaos-leipzig.de, www.kaos-leipzig.de


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Emanzipatorische Pornographie? Frau=Mensch=fertig?

Zwischen dem 12. und dem 20. Juni 2013 finden in Leipzig eine ganze Programmwoche zum Christopher Street Day statt; in diesem Jahr unter dem Motto „L(i)eben und L(i)eben lassen“. In deren Rahmen möchten wir insbesondere die beiden Veranstaltungen des Landesarbeitskreis „Gender“ (LAK-Gender) der Linksjugend Sachsen empfehlen. In Ersterer wird der bekannte SM-Roman „Die Geschichte der O.“ als Grundlage für die nicht enden wollende (und könnende?) Diskussion zum Thema „Emanzipatorische Pornographie“ herangezogen. In Zweiterer wird ein kritischer Blick auf die bisherige Entwicklung und (das) momentan bestehende Frauenbild(er) geworfen.

 

„Ich werde sein, was sie wollen, das ich sein soll – die Geschichte der O.“

1954 veröffentlichte Pauline Réage einen der bis heute bekanntesten SM-Romane: „Die Geschichte der O.“, die für enormen Aufruhr gesorgt hat. Kritiker lobten das Werk als „anspruchsvolle Pornographie“ oder zerschmetterten es aufgrund „sexualfaschistischer“ Intentionen.
Die Protagonistin O. wird in eine illustre Gemeinschaft eingeführt, in der sie  jederzeit und für jeden Mann sexuell verfügbar zu sein hat. So demütigend diese Situation für sie ist, überrascht es umso mehr, daß sie unverzüglich, bewusst und freiwillig, ihren eigenen Willen aufgibt und sich den Regularien fügt.

Der Roman verdankt seine Resonanz oft tabuisierten und dennoch womöglich weit verbreiteten weiblichen masochistischen Phantasien. Im Rahmnen der Veranstaltung soll die Ursache der Attraktivität derartiger Phantasien auf den Grund gegangen werden – „O. strebt nach der Vernichtung, und die Demütigung ist die absolute Vernichtung.“ (P. Réage)
Inspiriert durch die „Geschichte der O.“ gründete sich in den 80er Jahren eine feministisch-lesbische Gruppe, die überzeugt war, daß sadomasochistische Praktiken durchaus in Übereinstimmung mit dem Feminismus möglich sind. Es stellt sich die Frage, ob gewalttätige, auf Basis hierarchischer Strukturen, praktizierte Sexualität von vornherein antifeministisch und antiemanzipatorisch sein muss oder ob es sich bei diesem Werk um „zulässige“, lustvolle Pornographie handelt. Ist emanzipatorische Pornographie überhaupt möglich?

Im Rahmen der Veranstaltung werden Auszüge aus dem Roman gelesen sowie Ausschnitte aus dem Erotikfilm „Die Geschichte der O.“ gezeigt. Anschließend soll die Diskussion über das Werk und seine Relevanz eröffnet werden.

 

Was? Kritische Lesung und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Ich werde sein, was sie wollen, das ich sein soll – die Geschichte der O.“

Wer? LAK-Gender der Linksjugend Sachsen, Referentinnen: Korinna Linkerhand, Sabrina Zachanassian

Wann? 15.Juli 2013, 20 Uhr

Wo? Die ganze Bäckerei, Casablanca e.V., Josephstraße 12

Infos: www.csd-leipzig.de

 
 

Von der Menschwerdung der Frau – zur Entwicklung des Frauenbildes und der Frauenbewegung

Ein erschreckend großer Anteil der Bevölkerung hält den Emanzipationsprozess der Frauen in der westlichen Welt im Großen und Ganzen für abgeschlossen. Gerade die 68er-Bewegung wird hierfür häufig als Stein des Anstoßes verstanden. Es ist jedoch fraglich, ob die 68er-Frauen tatsächlich stärker an beispielsweise politischen Aktionen beteiligt waren und ob das Konzept der freien Liebe sich nicht eher am Interesse der männlichen „Revolutionäre“ orientierte. Slogans wie: „Wer zweimal mit der Selben pennt, gehört schon zum Establishment“ stimmen doch sehr nachdenklich.

Neben der Betrachtung dieser feministischen Gehversuche, die zur zweiten Frauenbewegung führten, soll untersucht werden, wie sich der weibliche Emanzipationsprozess und das Frauenbild über die Jahrhunderte hinweg gewandelt hat – von vorchristlichen Zeiten bis hin zu der modernen, emanzipierten aber auch vielfach belasteten Frau, die sowohl die weiblich konnotierten wie die männlichen Aufgaben in sich vereint, während das Männerbild zugleich kaum einem Wandel unterworfen war.

Diese verschiedenen Identitäten, die Frauen inzwischen weitläufig verinnerlicht haben, werden durch den gegenwärtigen Feminismus und der Queer-Bewegung oft als nebeneinanderstehende Differenzen positiviert. Ist diese Bewertung aber nicht lediglich ein Zugeständnis an die Anforderungen der gegenwärtigen gesellschafts-ökonomischen Verhältnisse? Haben sich die Frauen wirklich befreit? Oder folgen sie nur wieder gehorsam den gesellschaftlichen Notwendigkeiten?
Sind die Frauen am Ende gar die „modernen Männer“?

 

Was? Vortrag „Von der Menschwerdung der Frau“

Wer? LAK-Gender linksjugend Sachsen, Referentin: Sabrina Zachanassian (Initiative Sexualität und Gesellschaft Leipzig)

Wann? 16.Juli 2013, 19 Uhr

Wo? linkXXnet e.V., Bornaische Str. 3d

Infos: www.csd-leipzig.de


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Offener Brief: Kritik an Frauen- und Männerrollen im Kinderbuch

Offener Brief an die Autorin und den Verlag arsEdition des Buches „Mein erstes Bilderlexikon“ – wir hoffen auf Antwort!

 

Sehr geehrte Damen und Herren der arsEdition GmbH,

sehr geehrte Frau Peikert,

uns liegt das von Ihnen publizierte Buch „Mein erstes Bilderlexikon“ von Marlit Peikert aus der Reihe „Meine erste Lernraupe“ vor. Wir, das sind die Vertreterinnen der Terre des Femmes-Städtegruppe Leipzig. Das Bilderlexikon gehört dem zweijährigen Kind eines Gruppenmitgliedes – so geriet das Buch in unsere Finger und wurde dadurch Gegenstand einer empörten Diskussion.

Die Empörung bezieht sich auf das dargestellte Mann-Frau-Schema, insbesondere die Rollenverteilung. Auf 22 Seiten mit rund 180 Bildern tritt die Frau einzig und allein als Mutter und Erzieherin auf. Sie bastelt mit den Kindern, geht mit ihnen einkaufen, spazieren, fährt mit ihnen im Bus, bringt sie ins Bett. Das bedeutet, sie ist von früh bis abends mit dem Kind/den Kindern beschäftigt und mit keiner eigenen Aktivität- – selbst ihr Beruf besteht einzig und allein in der Kinderbetreuung.

Selbstverständlich wollen wir damit nicht den Wert dieser hoch anspruchsvollen und wichtigen Tätigkeit schmälern, sondern lediglich darauf hinweisen, dass das Bild hierdurch höchst einseitig bleibt, indem der Frau selbst im Berufsleben nur die Rolle der Erzieherin zugestanden wird. Zudem handelt es sich um eine Tätigkeit, die kaum Karrieremöglichkeiten bietet, die leider nach wie vor unterbezahlt und gesellschaftlich nicht ausreichend anerkannt ist und zudem ausschließlich im Rahmen einer familienähnlichen Situation verharrt.

Neben der Tatsache, dass eine Frau außerhalb der Mutterschaft und des Hauses in Ihren Augen nicht zu existieren scheint, fällt zudem auf, dass sie grundsätzlich jung zu sein hat. Der Mann wird demgegenüber in vielfältigen Positionen und Situationen gezeigt: Als Verkäufer, Gärtner (bzw. im Garten arbeitender Großvater), Bauarbeiter (in dieser Position gleich auf drei Bildern); als Fahrer des Müllautos, der Kehrmaschine und der Feuerwehr; als Besitzer des Abschleppwagens und als Bauer (ebenfalls auf mehreren Bildern). Trotz dieses stark ausdifferenzierten Männerbildes mussten wir jedoch feststellen, dass der Mann in seiner Funktion als Vater lediglich in Verbindung zur Mutter auftaucht und selbst das nur während der Unterhaltung des Kindes. Daraus wird klar ersichtlich, dass seine Rolle keinesfalls die des Kinderbetreuers sein soll, während er stattdessen in allen Lebensbereichen aktiv ist – ganz im Gegensatz zur Mutter. Er hat verschiedene Berufe, kann ganz unterschiedliche Tätigkeiten ausüben und besitzt eine breite Palette an Fertigkeiten, hat eigenen Besitz, ist finanziell unabhängig und auch noch in hohem Alter aktiv.

Die lange dominante und leider noch immer vorhandene ungleiche Verteilung der Lebensbereiche, von finanziellen über wirtschaftliche hin zu familiären Strukturen, wird von Ihnen als universell gegeben dargestellt und nicht im Ansatz der Versuch unternommen, eine gleichberechtigte Präsentation aller Menschen zu entwerfen. Dabei handelt es sich insgesamt um ein längst überholtes und mehr als fragwürdiges Gefüge von Geschlechterrollen, das in dieser Form längst nicht mehr dem Standard entspricht.

Die Autorin des Buches und der Verlag haben sich laut eigener Buchbeschreibung das Ziel gesetzt, Kinder beim Spracherwerb, „…einem der größten und wichtigsten Entwicklungsschritte“, zu unterstützen. Für das Bilden erster Sätze wurden dabei „…Themenspektren von für Kinder vertraute Situationen“ gewählt. Wir sind enttäuscht davon, dass Sie Kindern ein höchst einseitiges, sexistisches Themenspektrum aufzeigen in der Annahme, dass diese Situationen dem Alltag der Kinder entsprechen. Und selbst wenn dies in vielen Familien noch traurige Wahrheit sein sollte, sollte dann nicht der Anspruch eines pädagogischen Kinderbuches sein, andere Perspektiven aufzuzeigen? Was hat Sie daran gehindert, einen Kindergärtner abzubilden, eine alte Gärtnerin zu zeichnen oder den Vater eine Geschichte vorlesen zu lassen? Warum sollten Sätze wie „Papa kauft Äpfel“ oder „Mama arbeitet“ nicht die ersten aus den Kindermündern sein? Des Weiteren müssen wir uns fragen, worauf sich das auf dem Buchumschlag abgebildete Siegel „von erfahrenen Pädagogen geprüft und empfohlen“ bezieht. Welche Pädagogen haben sich mit der Bildauswahl beschäftigt und unter welchen Kriterien? Die Relevanz geschlechtsbezogener Diskriminierung wird hier offenkundig verkannt, wodurch das Buch seinem pädagogischen Anspruch insgesamt keinesfalls gerecht wird – es wird vollkommen vergessen, dass gerade Kinder, weil sie wachsam und nachahmend sind, für Geschlechtsstereotype empfänglich sind. Und dass gerade dieser Umstand auch die Ressource zum Umbruch beinhaltet.

Wir erwarten Ihre Stellungnahme und verabschieden uns mit freundlichen Grüßen,

die Terre des Femmes-Städtegruppe Leipzig