TERRE DES FEMMES Städtegruppe Leipzig

Emanzipatorische Pornographie? Frau=Mensch=fertig?

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Zwischen dem 12. und dem 20. Juni 2013 finden in Leipzig eine ganze Programmwoche zum Christopher Street Day statt; in diesem Jahr unter dem Motto „L(i)eben und L(i)eben lassen“. In deren Rahmen möchten wir insbesondere die beiden Veranstaltungen des Landesarbeitskreis „Gender“ (LAK-Gender) der Linksjugend Sachsen empfehlen. In Ersterer wird der bekannte SM-Roman „Die Geschichte der O.“ als Grundlage für die nicht enden wollende (und könnende?) Diskussion zum Thema „Emanzipatorische Pornographie“ herangezogen. In Zweiterer wird ein kritischer Blick auf die bisherige Entwicklung und (das) momentan bestehende Frauenbild(er) geworfen.

 

„Ich werde sein, was sie wollen, das ich sein soll – die Geschichte der O.“

1954 veröffentlichte Pauline Réage einen der bis heute bekanntesten SM-Romane: „Die Geschichte der O.“, die für enormen Aufruhr gesorgt hat. Kritiker lobten das Werk als „anspruchsvolle Pornographie“ oder zerschmetterten es aufgrund „sexualfaschistischer“ Intentionen.
Die Protagonistin O. wird in eine illustre Gemeinschaft eingeführt, in der sie  jederzeit und für jeden Mann sexuell verfügbar zu sein hat. So demütigend diese Situation für sie ist, überrascht es umso mehr, daß sie unverzüglich, bewusst und freiwillig, ihren eigenen Willen aufgibt und sich den Regularien fügt.

Der Roman verdankt seine Resonanz oft tabuisierten und dennoch womöglich weit verbreiteten weiblichen masochistischen Phantasien. Im Rahmnen der Veranstaltung soll die Ursache der Attraktivität derartiger Phantasien auf den Grund gegangen werden – „O. strebt nach der Vernichtung, und die Demütigung ist die absolute Vernichtung.“ (P. Réage)
Inspiriert durch die „Geschichte der O.“ gründete sich in den 80er Jahren eine feministisch-lesbische Gruppe, die überzeugt war, daß sadomasochistische Praktiken durchaus in Übereinstimmung mit dem Feminismus möglich sind. Es stellt sich die Frage, ob gewalttätige, auf Basis hierarchischer Strukturen, praktizierte Sexualität von vornherein antifeministisch und antiemanzipatorisch sein muss oder ob es sich bei diesem Werk um „zulässige“, lustvolle Pornographie handelt. Ist emanzipatorische Pornographie überhaupt möglich?

Im Rahmen der Veranstaltung werden Auszüge aus dem Roman gelesen sowie Ausschnitte aus dem Erotikfilm „Die Geschichte der O.“ gezeigt. Anschließend soll die Diskussion über das Werk und seine Relevanz eröffnet werden.

 

Was? Kritische Lesung und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Ich werde sein, was sie wollen, das ich sein soll – die Geschichte der O.“

Wer? LAK-Gender der Linksjugend Sachsen, Referentinnen: Korinna Linkerhand, Sabrina Zachanassian

Wann? 15.Juli 2013, 20 Uhr

Wo? Die ganze Bäckerei, Casablanca e.V., Josephstraße 12

Infos: www.csd-leipzig.de

 
 

Von der Menschwerdung der Frau – zur Entwicklung des Frauenbildes und der Frauenbewegung

Ein erschreckend großer Anteil der Bevölkerung hält den Emanzipationsprozess der Frauen in der westlichen Welt im Großen und Ganzen für abgeschlossen. Gerade die 68er-Bewegung wird hierfür häufig als Stein des Anstoßes verstanden. Es ist jedoch fraglich, ob die 68er-Frauen tatsächlich stärker an beispielsweise politischen Aktionen beteiligt waren und ob das Konzept der freien Liebe sich nicht eher am Interesse der männlichen „Revolutionäre“ orientierte. Slogans wie: „Wer zweimal mit der Selben pennt, gehört schon zum Establishment“ stimmen doch sehr nachdenklich.

Neben der Betrachtung dieser feministischen Gehversuche, die zur zweiten Frauenbewegung führten, soll untersucht werden, wie sich der weibliche Emanzipationsprozess und das Frauenbild über die Jahrhunderte hinweg gewandelt hat – von vorchristlichen Zeiten bis hin zu der modernen, emanzipierten aber auch vielfach belasteten Frau, die sowohl die weiblich konnotierten wie die männlichen Aufgaben in sich vereint, während das Männerbild zugleich kaum einem Wandel unterworfen war.

Diese verschiedenen Identitäten, die Frauen inzwischen weitläufig verinnerlicht haben, werden durch den gegenwärtigen Feminismus und der Queer-Bewegung oft als nebeneinanderstehende Differenzen positiviert. Ist diese Bewertung aber nicht lediglich ein Zugeständnis an die Anforderungen der gegenwärtigen gesellschafts-ökonomischen Verhältnisse? Haben sich die Frauen wirklich befreit? Oder folgen sie nur wieder gehorsam den gesellschaftlichen Notwendigkeiten?
Sind die Frauen am Ende gar die „modernen Männer“?

 

Was? Vortrag „Von der Menschwerdung der Frau“

Wer? LAK-Gender linksjugend Sachsen, Referentin: Sabrina Zachanassian (Initiative Sexualität und Gesellschaft Leipzig)

Wann? 16.Juli 2013, 19 Uhr

Wo? linkXXnet e.V., Bornaische Str. 3d

Infos: www.csd-leipzig.de

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