TERRE DES FEMMES Städtegruppe Leipzig


Hinterlasse einen Kommentar

Filmempfehlung: „Festung“

Am 27.11.2012 zeigten die Passage Kinos Leipzig auf Wunsch der TERRE DES FEMMES Städtegruppe Leipzig eine Preview des Films Festung, das unter die Haut gehende Spielfilmdebüt der finnischen Regisseurin Kirsi Marie Liimataien. Auf sensible und zugleich deutliche Art behandelt der Film das Thema Häusliche Gewalt; ein Tabu-Thema, obwohl jede vierte Frau in der BRD* bereits Formen der häuslichen Gewalt erlebt hat.

Der Film zeigt die Folgen der unkontrollierten physischen wie psychischen Gewalttätigkeit des Familienvaters und Ehemanns Robert (Peter Lohmeyer) gegenüber seiner Familie. Festung_Schwestern_Kordes&Kordes Film_Sven MeyerNach einem Therapieaufenthalt ist er bei seiner Frau Erika und den beiden noch zu Hause lebenden Kindern wieder eingezogen. Entgegen aller Hoffnung hat sich doch nichts zum Besseren gewendet. Wieder leben Mutter und Töchter in Angst und verschließen sich in der Festung, hinter dem Rollladen, im abgedunkelten Schlafzimmer. Niemand darf davon erfahren, dass der gewalttätige Vater seine Frau – beängstigend macht- und wehrlos gespielt von Ursina Lardi – blutig schlägt. Auch die 13-jährige Johanna (herzergreifend ehrlich von der Jungschauspielerin Elisa Essig verkörpert) muss sich an das Gebot „Nichts dringt nach außen!“ halten, die Gewalt an ihrer Mutter ertragen, ohne sie schützen zu können und zugleich den psychischen Schaden, der ihrer kleinen Schwester droht, zu minimieren versuchen. Als sich Johanna dann auch noch in den 15-jährigen Christian verliebt, verkompliziert sich ihre Situation einmal mehr. Hin- und hergerissen zwischen der Loyalität ihrer Familie gegenüber und den ersten Schmetterlingen im Bauch sowie dem damit einhergehenden Wunsch nach Selbstverwirklichung, versucht Johanna die Situation zu meistern. Doch die Festung ist stark…

Der Film schafft die bedrohliche Atmosphäre nicht durch Faustschläge, sondern vor allem durch Geräusche, die aus dem Schlafzimmer dringen, wenn Robert die Mutter schlägt; durch Angst in den Blicken der Geschwister, Sprachlosigkeit der Familienmitglieder. Festung_Eltern_Kordes&Kordes Film_Christine A. MaierIn erster Linie aus der Sicht Johannas wiedergegeben, konfrontiert die Handlung das Publikum mit der Machtlosigkeit und Überforderung der Figuren. Doch trotz aller Trostlosigkeit, die „Festung“ an einigen Stellen vermittelt, gibt es einen Hoffnungsschimmer in der mächtigen Bewegungslosigkeit aus Angst und Abhängigkeiten: Auch die Liebe zwischen Johanna und Christian ist stark…

Dem Film ist unbedingt noch mehr Aufmerksamkeit zu wünschen, als er bisher bereits bekam! Zwar wurde die Drehbuchautorin Nicole Armbruster im Rahmen der 60.Filmfestspiele in Berlin 2010 mit dem Thomas Strittmatter Drehbuchpreis ausgezeichnet, doch ist zu hoffen, dass er ein noch wesentlich breiteres Publikum findet.

Derzeit liegen uns leider keine aktuellen Spielzeiten vor.

Weitere Informationen erhalten Sie unter folgenden Adressen:

Verleih:
farbfilm verleih GmbH
Boxhagener Str. 106
10245 Berlin
Tel.: 030/ 29 77 29-0
http://www.farbfilm-verleih.de

Produktion:
Kordes & Kordes Film GmbH
Feurigstr. 54
10827 Berlin
Tel.: 030/ 780 96 780
http://www.kordesfilm.de

Presse:
Entertainment Kombinat
Jasmin Knich
Boxhagener Str. 106
10245 Berlin
Tel.: 030/ 29 77 29-20
http://www.entertainmentkombinat.de

* Laut einer 2002 von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen repräsentativen Studie

Bildmaterial © Kordes & Kordes Film Christine A. Maier + Kordes & Kordes Film Sven Meyer

Advertisements


Hinterlasse einen Kommentar

Buchrezension „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“

Heinz-Jürgen Voß: „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“
Pink auf Schwarz: Anschluss an Judith Butlers Zweifel
Buchcover_Geschlecht

Ebenso wie der im Jahr 2011 erschienene Titel Making Sex Revisited: Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive, wird auch der Nachfolger Geschlecht: Wider die Natürlichkeit von Heinz-Jürgen Voß – glücklicherweise – von sich Reden machen. Anlass dazu bietet der weit gespannte und an keiner Stelle überspannte Bogen von alten und neuen Diskussionen zum Konstrukt Geschlecht. So haben Theorien nach Beauvoir (historisch) und Butler (aktuell) ebenso ihren Platz in dem circa 200 Seiten umfassenden Sachbuch, wie historische und aktuelle biologische Geschlechtermodelle und letztendlich sich an Marx orientierende, gesellschaftskritische Forderungen.

Der Biologe Voß geht in seinen Texten, ebenso wie Karl Marx und Simone de Beauvoir, stets von der Situation der gesellschaftlich nicht Privilegierten aus, was seine Perspektive von vielen bisher publizierten wissenschaftlichen Texten und Forschungen unterscheidet. Voß stellt somit die Bedürfnisse derjenigen Menschen in den Mittelpunkt, die bisher kaum Thema wissenschaftlicher Auseinandersetzungen waren. In keiner Weise wird dabei die Existenz von Geschlechtern geleugnet; zumindest in unseren Köpfen sind sie zweifellos real. Hierbei wird häufig und passend Beauvoir zitiert: „Selbstverständlich kann keine Frau, ohne unaufrichtig zu sein, behaupten, sie stünde jenseits ihres Geschlechts… Wenn wir es auch ablehnen, sie (die Frau) mit dem ewig Weiblichen zu erklären, aber gelten lassen, dass es, zumindest vorläufig, Frauen auf der Erde gibt, müssen wir uns wohl die Frage stellen: was ist eine Frau?“ („Das andere Geschlecht“ 1949)

Voß selbst bringt den Sachverhalt mit folgenden Worten auf den Punkt: „Nur weil real ‚Frauen‘ und ‚Männer‘ und Unterschiede zwischen ihnen festgestellt wurden, heißt das nicht, dass sie vorgegeben sind und dass man in Gedanken des ‚Ewigweiblichen‘ oder ‚Ewigmännlichen‘ verfallen müsste.“ Zudem wird mehrfach angeführt, wie auch das biologische Geschlecht (’sex‘) keiner Natürlichkeit unterlegen sei; ein Punkt, an dem wir bereits mit Judith Butler waren. In diesem Kontext gibt Voß Einblick in aktuelle Erkenntnisse der Biologie, die die Existenz vieler Geschlechter demonstriert. Noch immer aber werden Penis und Vagina, Hoden und Eierstöcke, Samenzellen und Eizellen als die wichtigsten Merkmale angesehen, da sie den Fortbestand des Menschen sichern. Diese Merkmale werden regelmäßig in Diskussionen als Argument für die natürliche Gegebenheit von Zweigeschlechtlichkeit herangezogen – und lassen all jene außen vor, denen die biologische Voraussetzung zur Fortpflanzung fehlt. Voß betont an dieser Stelle vehement, dass es auf keinem Gebiet eine Natürlichkeit geben könne, da nichts, was uns umgibt oder was wir wahrnehmen, außerhalb der Gesellschaft entstehe. Die Unterscheidung nach dem Geschlecht erscheine uns so natürlich, weil wir mit genau dieser Unterscheidung aufgewachsen sind. Auch die entsprechende Forschung unterteile von vornherein in ‚Frau‘ und ‚Mann‘ und stelle auf diesem Weg Differenzen von jenen beiden Gruppen fest. Zutreffend sei aber, so Voß, dass es bislang kein auch nur einigermaßen stimmiges und fundiertes Modell der Geschlechtsdetermination und -differenzierung gäbe.

Auf den Punkt gebracht bedeutet dies, dass wir vom allerersten Atemzug an von der Einteilung nach dem Geschlecht geprägt sind; ein Schleier der vermeintlichen Natürlichkeit breitet sich über diesem Konstrukt aus. Wobei wir wieder bei Marx angekommen sind, der unter anderem im Kapital festhält, dass der Mensch gesellschaftlich sehe, höre, rieche, schmecke, fühle, denke, anschaue und tätig sei, wodurch letztendlich klar wird, dass es eben keine mächtige Instanz gibt – Gott schon lange nicht mehr und ebensowenig die Biologie – die uns an der freien Entfaltung hindern könnte. Es existieren keine natürlichen, unabänderlichen Gründe, die noch länger herangezogen werden könnten, um Menschen in ihren Möglichkeiten zu beschränken. Klingt am Ende doch nur nach einer Prise Romantik? Mehr noch – Voß fordert zum Schluss sich selbst und alle anderen auf, an die Utopie einer gerechten Gesellschaft zu glauben und dafür in diesem Moment tätig zu werden. Das tut nach einem Exkurs durch die entwicklungsreichen Jahrhunderte der Gesellschaftskritik, Biologie und Genetik gut. Es rüttelt wach und motiviert zum Überdenken der persönlichen Einstellung. Mensch kann ja zur Sicherheit das schwarz-pinke Büchlein in die Hosentasche stecken, um für Diskussionen aller Art („Aber Frauen haben doch nun mal nicht so viele Muskeln wie Männer!“, „Aber es sind schon immer Männer jagen gegangen und Frauen haben Kinder bekommen“, „Aber es gibt nun mal bestimmte Gene, die für die Ausbildung eines bestimmten Geschlechtes zuständig sind.“…) mit Argumenten und weitreichender Sicht ausgerüstet zu sein. Voß gelingt mit seinen tiefgreifenden und zugleich anschaulichen Ausführungen mehreres: Er stellt den Terminus der ‚Natürlichkeit‘ in Frage und schafft Klarheit sowie Optimismus gegenüber der Hoffnung, dass wir etwas verändern können.

– Lilith

Heinz-Jürgen Voß: „Geschlecht: Wider die Natürlichkeit“
1. Auflage 2011, 180 Seiten, 10 €.
ISBN 3896576631
http://www.schmetterling-verlag.de


Hinterlasse einen Kommentar

6. Februar 2013: 10 Jahre internationaler Tag „Null Toleranz gegen Genitalverstümmelung“

Weltweit sind 130 Millionen Mädchen und Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Zum 6. Februar, dem internationalen Tag Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung setzt TERRE DES FEMMES bundesweit Zeichen gegen diese schwere Menschenrechtsverletzung an Mädchen und Frauen.

Wie schon in den letzten Jahren organisieren TERRE DES FEMMES Städtegruppen – so auch wir in Leipzig – zusammen mit Buchhandlungen Büchertische und gestalteten Schaufenster zum Thema weibliche Genitalverstümmelung. Dieses Mal wurden auch Bundestagsabgeordnete dazu aufgerufen, sich an der Aktion zu beteiligen.

Werden auch Sie aktiv! Tragen Sie zur Aufklärung bei und unterstützen Sie unsere Arbeit gegen weibliche Genitalverstümmelung!

Die TERRE DES FEMMES-Aktion: Büchertische zum Thema weibliche Genitalverstümmelung

Im Februar 2003 organisierte das Inter-African Committee (IAC) in Addis Abeba eine internationale Konferenz unter dem Motto Null-Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung. Ziel war es, die bereits begonnenen Kampagnen gegen weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, kurz FGM) weiter voran zu bringen und zu beschleunigen. First Ladies aus vier afrikanischen Ländern, Minister, RepräsentantInnen der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union waren anwesend. Darüber hinaus nahmen viele Menschen aus 40 Nationen, die sich an der Basis gegen FGM engagieren, an der Konferenz teil. Seit dieser Konferenz ist der 6. Februar der Internationale Tag Null-Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung, an dem weltweit Aktionen stattfinden, auch in Deutschland.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie „Ihre“ Buchhandlung oder Bücherei fragen, ob diese rund um den 6. Februar einen Tisch oder ein Schaufenster mit Büchern zum Thema gestaltet. Als Anregung haben wir eine Liste mit verschiedenen Büchern zum Thema Genitalverstümmelung zusammengestellt.

Gerne schicken wir Ihnen Flyer und Informationsmaterialien zum Auslegen zu. Diese können Sie im Shop bestellen.

Wenn Sie eine Lesung aus Büchern betroffener Frauen organisieren möchten, beraten wir Sie gerne.

Machen Sie Fotos von den Büchertischen und schicken Sie uns diese für unsere Webpage zu. Das beste Bild wird mit einer TERRE DES FEMMES-Publikation prämiert.

Weitere Informationen zum 6. Februar und Unterstützungsmöglichkeiten:

Hintergrundinformationen zu weiblicher Genitalverstümmelung

Informationen zum 6. Februar: Internationaler Tag Null-Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung (2003-2013)

Weitere Unterstützungsmöglichkeiten gegen Genitalverstümmelung


Hinterlasse einen Kommentar

Willkommen!

Wir freuen uns, dass Sie auf unsere Homepage gefunden haben! Derzeit befindet sie sich noch im Aufbau und ist daher leider noch nicht ganz vollständig. Die wichtigsten Informationen über TERRE DES FEMMES und unsere Leipziger Städtegruppe stehen allerdings schon bereit, also klicken Sie sich einfach einmal durch das Menü.

Wir wünschen viel Spaß dabei 🙂